Leserbrief eines AG-Mitgliedes, welches die Tierärzte- und Biologentagung zu Leiden und Wohlbefinden von Tieren im September 2007 an der Universität Gießen besucht hatte, erschienen am 13.10.07 in der "Neuen Westfälischen"
Tierversuche machen Menschen nicht gesünder
Warum zwingen Tierexperimentatoren Katzenwelpen in völlige Isolation oder nähen ihnen die Augen zu? Warum spritzen sie Tieren ätzende Substanzen in die Gelenke, um Schmerz zu beobachten? Weil sie wissen, dass Menschen, Ratten, Katzen, Hunde und andere Tiere vergleichbare Leiden empfinden. Tierhalter kennen die Angstreaktionen ihrer Tiere bei Tierarztbesuchen. Tierexperimentatoren sind oft Tierärzte oder Biologen. Sie wissen, dass Tiere über alle Teile des Nervensystems verfügen, die sie Schmerzen und Leiden differenziert wahrnehmen lassen.
Kein Organ, keine Eigenschaft, keine Hirnstruktur und auch keine geistige Leistung unterscheidet Wirbeltiere grundlegend von Menschen. Der ehemalige Tierexperimentator Donald Barnes erklärte sein Festhalten am Tierversuch im Nachhinein mit "konditionierter Blindheit": er war für seine Tierversuche immer wieder durch Geld und akademische Ehrungen belohnt worden. Belohung motiviert zum Weitermachen.
Die Gießener Tagung der Tierärzte und Biologen bestand im Wesentlichen aus einer Aneinanderreihung von Tierversuchen und der Ankündigung ihrer Fortführung. Statt sich mit der Messbarkeit von Leiden und Wohlbefinden aufzuhalten und dafür weitere grausame Tierversuche zu fordern, könnten vernunftbegabte Tierärzte und Biologen auch die logische Konsequenz aus den Erkenntnissen der Wissenschaft ziehen und endlich auf Forschung ohne Tierleid umsteigen. Dass Tierversuche die Menschheit bisher nicht gesünder gemacht haben, kommt erschwerend hinzu.
Astrid Reinke, Gütersloh