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Geheimhaltung, Irreführung und Ermüdungstaktik

- Tierversuche an der Universität Bielefeld-

Die Hochschulgruppe „AG gegen Tierversuche“ versucht seit geraumer Zeit Einzelheiten über an der Universität durchgeführte Tierversuche in Erfahrung zu bringen. Den Anfang machten persönliche Anfragen an das Rektorat, die jedoch nicht beantwortet wurden. Der AG wurde schließlich ein Gespräch mit Herrn Prof. Dr. Timmermann angeboten. In diesem Gespräch mit zwei AG-Mitgliedern äußerte der Rektor jedoch, dass ihn die Problematik der Tierversuche nicht interessiere, da diese Dinge „nicht über seinen Schreibtisch gingen.“ Es stellt sich die Frage, warum dann überhaupt ein Gespräch geführt werden sollte, musste ihm diese Tatsache doch vorher klar gewesen sein.


Timmermann nannte Herrn Prof. Dr. Egelhaaf, Angehöriger des Lehrstuhls für Neurobiologie, als Forschungsbeauftragten, der in der Lage sein sollte, unsere Fragen zum Thema Tierversuche zu beantworten.

An diesen richtete die AG folgende Anfrage:

1. In welchen Fachbereichen der Universität Bielefeld werden Tierversuche durchgeführt?

2. Welche Tierarten werden dafür benutzt und wie viele Individuen jeder Tierart werden pro Jahr benutzt? Wie hoch sind die jeweiligen Tierzahlen für die Jahre 2000 bis 2005?

3. Nennen Sie uns bitte die Quellen, anhand derer wir uns unbürokratisch einen Überblick über sämtliche an der Universität Bielefeld durchgeführten Tierversuche von 2000 bis 2005 machen können. Ablauf, Erkenntnisse, nachweißlicher Nutzen für die Gesundheit des Menschen?

3.a) Sind alle an der Universität Bielefeld durchgeführten Tierversuche in der "Forschungsdatenbank" erfasst? Wer kann uns helfen, diese dort zu finden?

4. Wie gestalten sich die laufenden Kosten für die einzelnen Versuche, Tierhaltung, Tierpfleger etc? Wie hoch waren die anteiligen Kosten in den Jahren 2000 bis 2005?

5. Wir möchten Tierversuche der verschiedenen Belastungskategorien beobachten. Wann und wo ist das möglich?

6. Um die Aussagekraft der Tierversuche nachvollziehen zu können, muss man die Formulierung in den Versuchsanträgen zu den Versuchsergebnissen und dem tatsächlichen praktischen Nutzen der Versuche ins Verhältnis setzen. Wir bitten Sie um die entsprechenden Daten in den Versuchsanträgen.

7. Um überprüfen zu können, ob der Leidensgrad der Tiere korrekt angegeben wurde, muss der im Antrag formulierte mit dem tatsächlichen Leidensgrad, welcher sich aus den Versuchsprotokollen zu ergeben hat, abgeglichen werden. Auch darüber hätten wir gern die entsprechenden Informationen.

8. Müssen Tierexperimentatoren alle ihre Versuche veröffentlichen? Gilt das auch für jene Versuche, deren Ausgang für die Wissenschaftswelt unergiebig verlief, die zu einem unerwünschten Ergebnis geführt haben, oder deren Versuchskonzept sich als unpraktikabel, fehlerträchtig oder anderweitig angreifbar herausgestellt hat?“


Herr Egelhaaf gab sich zunächst entgegenkommend und sah „keinen
Grund, nicht über alle damit zusammen hängenden Aspekte offen zu reden“. So nannte er etwa beispielhaft einige Tierarten, bezeichnete als unmöglich, den Nutzen von Tierversuchen einem nicht belesenen Laien transparent zu machen, hielt es für schwierig, Kosten zu erfassen oder verwies auf die Forschungsdatenbank der Universität. Immer wieder wies er darauf hin, dass alle Tierversuche genehmigt werden müssen und Kontrollen unterliegen. Mit dem stereotyp wiederholten Verweis auf Gesetze, Genehmigungen und scheinbar Qualifiziertere (Prüfer, Gesetzeshüter, Tierärzte) wich er konkreten Fragen konsequent aus. Der Stand der Informationen war nach sechs Anfragen und fünf Antworten weitgehend der gleiche, wie zu Beginn der Kommunikation. Und das, obwohl bereits mehr als 1400 Unterzeichnende die Forderung nach Transparenz bei Tierversuchen unterstützen.

Egelhaaf verwies auch darauf, aus Datenschutzgründen „nicht alle“ gewünschten Auskünfte geben zu können, was im Widerspruch zum „über alle […]Aspekte offen […]reden“ steht. Er kündigte an, weitere Informationen in einem persönlichen Gespräch geben zu wollen. Allerdings bestehe für Tierexperimentatoren keine Auskunftspflicht gegenüber dem Bürger. Die AG erwartet jedoch verwertbare, d.h. dokumentierte und zitierfähige Auskunft. Sie sieht ihre Aufgabe darin, der Geheimhaltung von Tierversuchen und ihrer Hintergründe entgegenzuwirken, da der Status quo den Prinzipien einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung widerspricht. Dem Bürger werden essentielle Informationen über Tierversuche konsequent vorenthalten, obwohl er als Steuerzahler regelmäßig in Milliardenhöhe dafür zur Kasse gebeten wird. Die Propaganda für Tierversuche wird mit Bürgergeld finanziert. Tierversuchsgegner hingegen sind auf freiwillige Spenden angewiesen. Propaganda für Tierversuche schürt geschickt die Angst vor Krankheit und Tod, denn verängstigte Menschen stellen keine Fragen.

Um überhaupt irgendetwas zu erfahren, wurde schließlich ein Gesprächstermin vereinbart. Egelhaaf war allerdings entweder völlig unvorbereitet erschienen oder die Behauptung, unserem Informationsbedürfnis in einem persönlichen Gespräch nachkommen zu wollen, war von vornherein eine Farce. Er beantwortete im Endeffekt keine einzige unserer Fragen, obwohl er diese seit drei Monaten kannte. Wieder wurden einige Tierarten und einige Fachbereiche genannt - unterlegt mit vielen „Meines Wissens, soviel ich weiß“. Er redete viel, sagte wenig und wiederholte sich ständig. Die meist benutzten Formulierungen waren, dass er „dazu nichts sagen könne“, das sei „nicht sein Gebiet“, zu den Versuchen der Kollegen „könne er nichts sagen“, wir müssten uns selbst an sie wenden, wer Tierversuche mache könnten wir ja „sehr leicht selbst herausfinden“. Weiter folgte in regelmäßigen Abständen „Dazu darf ich nichts sagen“, „Kann ich jetzt nicht...“, „Da müsste ich gucken“, „Das kann ich jetzt nicht aus dem Stand sagen" „Wir können uns gerne wieder treffen und in ein Gespräch eintauchen“, „Daran habe ich jetzt nicht gedacht“, „ Ich bin für offene Diskussion", „Das ist jetzt wirklich eine schwierige Frage“.

Zur Frage, wie es sich mit der Veröffentlichung unliebsamer Tierversuchsergebnisse und misslungener Versuchskonzepte verhalte, gab Egelhaaf dann allerdings vor, genau zu wissen, dass Tierexperimentatoren ihre Versuche nicht aus Eigeninteresse zurückhalten. Folgende einfache und wahre Antwort brachte er nicht über die Lippen: Die Veröffentlichung von Tierversuchen liegt in der Hand der Tierexperimentatoren; Misserfolge können zurückgehalten werden. Diese Tatsache ist deshalb von so entscheidender Bedeutung, da sie die Basis dafür bildet, dass Nutzen, Schaden und Kosten von Tierversuchen noch nie geprüft wurden. Deshalb stellen Aussagen wie „Tierversuche sind notwendig“ unhaltbar und willkürliche Behauptungen derjenigen dar, die davon profitieren, weil sie zum Beispiel ihre Karriere auf Tierversuchen gründen. Egelhaaf behauptete erwartungsgemäß, wenn Fehlerhaftes nicht publiziert würde, dass das dann jedenfalls nichts mit Eigeninteressen zu tun hat. Was soll er auch anders sagen?

Zentral war auch die Äußerung „da ist Forschung ohne Tierversuche schwierig“. Triviale Lösungen werden von einer Universität aber selten erwartet. Die Tierexperimentatoren der Universität ziehen es jedoch vor Lebewesen zu quälen und zu zerstören, statt sich komplexe Gedanken zu machen. Wir hätten von einer Institution, die Milliarden von Steuergeldern für die biologische Grundlagenforschung erhält und Elitestatus anstrebt, erwartet, dass sie „schwierigen“ Aufgaben nicht ausweicht. Gleichzeitig wird eine Erfolgskontrolle verweigert, wie sie in nahezu jedem anderen Bereich menschlichen Handelns selbstverständlich ist.

Es ist evident, dass Herr Prof. Dr. Egelhaaf es weder für nötig hielt, sich auf das Gespräch vorzubereiten, noch ernsthaft vorhatte, die gestellten Fragen zu beantworten. Abschließend sei noch erwähnt, dass Herr Dr. Ziesenis, Tierarzt und Leiter des zentralen Tierhauses, im Anschluss an eine Pro-Tierversuchsveranstaltung an einem Bielefelder Gymnasium einer Schülerin schrieb, die AG gegen Tierversuche habe kein Interesse an Informationen aus erster Hand und am Austausch von Argumenten. Die AG gegen Tierversuche beschimpfe vielmehr den vermeintlichen Gegner und leiere Argumente und Vorurteile herunter, ohne die andere Seite anzuhören. Dieses Urteil fällte Ziesenis, ohne jemals Kontakt zu der AG aufgenommen zu haben. Die Bitte eines AG-Mitgliedes, Tierversuchen der verschiedenen Belastungskategorien beiwohnen zu dürfen, wurde von ihm nicht beantwortet. Er bot allerdings eines jener beliebten „Gespräche“ an. Dieselbe Taktik bei Herrn Trillmich und Frau Müller, denen identische Anfragen vorlagen.


Strategie der Universität in Sachen Tierversuche ist offenbar auf des Steuerzahlers Kosten Gespräche ohne Inhalt zu führen, wobei von vornherein klar ist, dass der Gesprächspartner keine Antworten erhält, dies aber verschleiert werden soll. Vielmehr soll Offenheit vorgegeben und der Anschein von Auskunftsbereitschaft erweckt werden, ohne etwas zu sagen – eine so erfolgreiche wie unseriöse Strategie, die auch in verschiedenen politischen Kreisen üblich ist. Der bekannte und in der Regel erwünschte Nebeneffekt dabei ist, dass das Gegenüber ermüdet und seine Zeit gebunden wird, damit es schließlich aufgibt. Denn alle Anfragen und Gespräche, sowie das gesamte Engagement für Tiere muss von Tierversuchsgegnern, in diesem Fall den Studierenden, ehrenamtlich und neben Studium und Job geleistet werden, während die Universitätsbediensten für ihre Zeit auf Staatskosten entlohnt werden.


Eine zentrale Rolle in der Kommunikation über Tierversuche spielen beispiellose Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit der Tierexperimentatoren, welche sie aus dem Grundrecht der Forschungsfreiheit ableiten. Sie glauben jede Grausamkeit begehen zu dürfen und über nichts Rechenschaft ablegen zu müssen. Es ist an uns als Bürgern, das nicht länger hinzunehmen. Akteure aus Wissenschaft und Forschung waren zu allen Zeiten zu Betrügerein und brutalsten Gewalttaten auch gegen Menschen bereit. Es besteht nicht der geringste Anlass, Disziplinen mit einem solchen Gefahrenpotential, wie es die Lebenswissenschaften besitzen, die soviel Geld für beispiellose Grausamkeiten gegen leidensfähige Lebewesen erhalten, irgendeinen Vertrauensvorsprung zu gewähren und von Transparenz zu entbinden.


Die bisherigen Erfahrungen machen deutlich, dass die Tierexperimentatoren der Universität nicht vorhaben, Informationen herauszugeben. Gerade deshalb darf dieser Zustand nicht verheimlicht werden.

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