Wer Biologie studieren will kommt um Tierversuche nicht herum?
Nicht ganz korrekt- man kann die aktive Teilnahme an den einzelnen Experimenten verweigern, in der Regel bleibt einem jedoch die Anwesenheit bei den von Kommilitonen durchgeführten Versuchen nicht erspart. Während der so genannten Bachelor-Basis- und Aufbau-module begegnet man dabei Praktikumssituationen wie diesen:
1. Praktikum zur Tierphysiologie
Abhängigkeit der Herzschlagfrequenz von der Umgebungstemperatur
Versuch mit einer Daphnie
Der Wasserfloh wird mit Vaseline an einen Objektträger geklebt und unterschiedlich temperiertem Wasser ausgesetzt (Hinweis der Dozenten: nehmt kein zu heißes Wasser, das vertragen sie nicht so gut!), der Herzschlag wird durch das Mikroskop verfolgt und aufgezeichnet. Am Schluss des Versuches werden alle Daphnien, die ihn überlebt haben (denkbar wenige) getötet, da sie ihm vaselinisierten Zustand ohnehin keine Chance auf ein Weiterleben mehr hätten.
2. Praktikum zur chemischen Ökologie
Pheromonspurfolge bei Ameisen
Bereits getötete Ameisen werden in Kopf und Hinterleib getrennt, von je ca. 10 Köpfen und Gastern werden Homogenisate hergestellt, die auf ein mit einem Kreis bedrucktes Papier gestrichen werden. Lebende Ameisen werden nun nacheinander in vorgegebener Zeit auf arteigene und artfremde Spurfolge getestet (Laufen entlang der Kreisbahn). Einige Ameisen werden auf Eis gestellt (Hinweis der Dozenten: nicht zu lange, sonst erfrieren sie), jeweils der linke oder rechte Fühler wird amputiert, der Spurfolgetest wird wiederholt (funktioniert das dann immer noch?).
Einige Ameisenfühler werden mit Nagellack überkreuz verklebt, der Spurfolgetest wird wiederholt
tierische Abwehr mit Larvensekret
Larven vom Meerrettichblattkäfer werden auf einem Viertel eines auf Din-A4 gedruckten Kreises ausgequetscht, das Larvensekret bleibt auf dem Papier (Hinweis: Nur ein bisschen Zwicken, die Larve nicht zerquetschen…). Es wird getestet, ob das Sekret auf Prädatoren (Ameisen), adulte Meerrettichblattkäfer oder andere Larven anziehend oder abstoßend wirkt.
Futterverwertung
Eine Rübselblattwespe wird auf unterschiedlich gefärbten Futterpflanzen bestimmte Zeitabschnitte lang fressen gelassen, dann tiefgekühlt und aufgeschnitten: Die Wanderungsgeschwindigkeit soll anhand der erkennbaren Schichtung im Darm ermittelt werden.
3. Praktikum zur Verhaltensforschung
Angst als Motivationsfaktor bei Mäusen
Im Open –Field-Test (von einem hohen Rand umgebenes „Schachfeld“, auf dem beobachtet wird, wie viel Zeit eine Maus am Rand und wie viel in der Mitte der Fläche verbringt) und im Elevated-plus-Maze (ein Holzkreuz auf Stelzen, wobei zwei Kreuzarme von Wänden umgeben und zwei offen sind; die Aufenhaltsdauer in den offenen bzw. geschlossenen Armen wird notiert) soll die Ängstlichkeit von Mäusestämmen miteinander verglichen werden. Die Studenten werden angewiesen, die Mäuse aus den Makrolonboxen zu nehmen (Hinweis: irgendwo am Schwanz anpacken!), in das Testfeld zu setzen und nach Gutdünken ein paar Minuten lang aufzuschreiben, wo sich die Tiere gerade befinden. Der einzige geäußerte Grund: damit der Bachelorstudent auch mal ans Tier kommt!
Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll lediglich einen Einblick geben, aufgrund dessen sich jeder selber eine Meinung über den Sinn und die Notwendigkeit von Experimenten an Mitgeschöpfen in der Ausbildung eines „Lebenswissenschaftlers“ machen möge!